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Verfehlungen und Strafen

  1. Mit größter Sorge muss der Abt sich um die Brüder kümmern, die sich verfehlen, denn nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. (Mt 9,12)
  2. Daher muss der Abt in jeder Hinsicht wie ein weiser Arzt vorgehen. Er schicke Senpekten, das heißt ältere weise Brüder.
  3. Diese sollen den schwankenden Bruder im persönlichen Gespräch trösten und ihn zu Demut und Buße bewegen. Sie sollen ihn trösten, damit er in nicht zu tiefe Traurigkeit versinkt. (2Kor 2,7)
  4. Es gelte, was der Apostel sagt: "Die Liebe zu ihm soll erstarken." (2Kor 2,8)- Alle sollen für ihn beten.
  5. Der Abt muss sich sehr darum sorgen und mit Gespür und großem Eifer danach streben, dass er keines der ihm anvertrauten Schafe verliert.
  6. Er sei sich bewusst, dass er die Sorge für gebrechliche Menschen übernommen hat, nicht die Gewaltherrschaft über gesunde.
  7. Er fürchte das Drohwort des Propheten, durch das Gott sagt: "Was fett schien, habt ihr euch genommen, was schwach war habt ihr weggestoßen." (Ez 34,3-4)
  8. Er ahme den guten Hirten mit seinem Beispiel der Liebe nach: Neunundneunzig Schafe ließ er in den Bergen zurück und machte sich auf, um das verirrte Schaf zu suchen. (Lk 15,4-5)
  9. Mit dessen Schwäche hatte er so viel Mitleid, dass er es auf seine Schultern nahm und so zur Herde zurücktrug.
  1. Wenn ein Bruder öfter für ein Vergehen zurechtgewiesen und wenn er sogar ausgeschlossen wurde, sich aber nicht gebessert hat, verschärfe man die Strafe, das heißt, er erhalte noch Rutenschläge.
  2. Wenn er sich aber auch so nicht bessert oder wenn er gar, was ferne sei, stolz und überheblich sein Verhalten verteidigen will, dann handle der Abt wie ein weiser Arzt.
  3. Er wende zuerst lindernde Umschläge und Salben der Ermahnung an, dann die Arzneien der Heiligen Schrift und schließlich wie ein Brenneisen Ausschließung und Rutenschläge.
  4. Wenn er dann sieht, dass seine Mühe kein Erfolg hat, greife er zu dem, was noch stärker wirkt: Er und alle Brüder beten für den kranken Bruder,
  5. da der Herr, der alles vermag, ihn die Heilung schenkt.
  6. Wenn er sich aber auch so nicht heilen lässt, dann erst setze der Abt das Messer zum Abschneiden an. Es gelte was der Apostel sagt: "Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte." (1Kor 5,13)
  7. Und an anderer Stelle: Wenn der Ungläubige gehen will, soll er gehen." (1Kor7,15)
  8. Ein räudiges Schaf soll nicht die ganze Herde anstecken.
  1. Omni sollicitudine curam gerat abbas circa delinquentes fratres, quia non est opus sanis medicus sed male habentibus.
  2. Et ideo uti debet omni modo ut sapiens medicus, immittere senpectas, id est seniores sapientes fratres,
  3. qui quasi secrete consolentur fratrem fluctuantem et provocent ad humilitatis satisfactionem et consolentur eum ne abundantiori tristitia absorbeatur,
  4. sed, sicut ait item apostolus, confirmetur in eo caritas et oretur pro eo ab omnibus.
  5. Magnopere enim debet sollicitudinem gerere abbas et omni sagacitate et industria currere, ne aliquam de ovibus sibi creditis perdat.
  6. Noverit enim se infirmarum curam suscepisse animarum, non super sanas tyrannidem; 
  7. et metuat prophetae comminationem per quam dicit Deus: Quod crassum videbatis assumebatis et quod debile erat proiciebatis.  
  8. Et pastoris boni pium imitetur exemplum, qui, relictis nonaginta novem ovibus in montibus, abiit unam ovem quae erraverat quaerere;
  9. cuius infirmitati in tantum compassus est, ut eam in sacris humeris suis dignaretur imponere et sic reportare ad gregem.
  1. Si quis frater frequenter correptus pro qualibet culpa, si etiam excommunicatus non emendaverit, acrior ei accedat correptio, id est ut verberum vindicta in eum procedant. 
  2. Quod si nec ita correxerit, aut forte – quod absit – in superbia elatus etiam defendere voluerit opera sua, tunc abbas faciat quod sapiens medicus:
  3. si exhibuit fomenta, si unguenta adhortationum, si medicamina scripturarum divinarum, si ad ultimum ustionem excommunicationis vel plagarum virgae,
  4. et iam si viderit nihil suam praevalere industriam, adhibeat etiam – quod maius est – suam et omnium fratrum pro eo orationem,
  5. ut Dominus qui omnia potest operetur salutem circa infirmum fratrem. 
  6. Quod si nec isto modo sanatus fuerit, tunc iam utatur abbas ferro abscisionis, ut ait Apostolus: Auferte malum ex vobis,  
  7. et iterum: Infidelis, si discedit, discedat,  
  8. ne una ovis morbida omnem gregem contagiet.