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(II,21,3)PETRUS: Sag mir bitte: Soll man annehmen, dass die Geistesgabe der Prophetie diesem Diener Gottes immer zur Verfügung stand oder nur zu bestimmten Zeiten seinen Geist erfüllte?

GREGOR: Petrus, der Geist der Prophetie erleuchtet den Geist der Propheten nicht ständig. Denn vom Heiligen Geist steht geschrieben: »Er weht, wo er will.« [Joh 3,8] So muss man wissen, dass er auch weht, wann er will. In diesem Sinn ist Nathan zu verstehen: Als er vom König gefragt wurde, ob er den Tempel bauen solle, gab er zuerst seine Zustimmung, später aber verbot er es [vgl. 2Sam 7,1-17]. So ist auch Elischa zu verstehen: Als er die Frau weinen sah, ohne zu wissen weshalb, sagte er zu dem Diener, der sie fernhalten wollte: »Laß sie; denn ihre Seele ist betrübt. Doch der Herr hat mir den Grund verborgen und mir nicht mitgeteilt« [vgl. 2Kön 4,27].

(II,21,4) In seiner großen Güte hat der allmächtige Gott es so geordnet: Manchmal gewährt er den Geist der Prophetie, bisweilen entzieht er ihn; dadurch erhebt er den Geist der Propheten zu großer Höhe, bewahrt ihn aber in der Demut. Wenn sie den Geist empfangen, sehen sie, dass sie aus Gott sind, und wenn sie andererseits den Geist der Prophetie nicht haben, erkennen sie, was sie aus sich selbst sind.

(II,21,4) PETRUS: Wie du sagst, so ist es; dein klarer Gedankengang überzeugt mich. Bitte erzähle weiter vom ehrwürdigen Vater Benedikt, woran du dich noch erinnerst.